02Juli

Für Rebhuhn, Hase und Fasan ... Lebensraumberatung für die Bornheimer Feldflur

Feldflur1 webChristian Lintow (Bildmitte) erläutert an einem im Herbst 2018 gemeindlich gemulchten Trockengraben, dass durch die Entfernung des Gebüschs die Biotopvernetzung, die winterliche Deckung sowie der geschützte Brutraum und damit die Lebensraumeignung des Grabens für viele Arten zerstört ist

Wie kann der Lebensraum für Rebhuhn, Hase, Fasan und viele andere Arten in der Bornheimer Feldflur verbessert, wie können deren dramatischen Bestandsrückgänge gestoppt werden?

Zu dieser Frage wurde Christian Lintow, Lebensraumberater für das Wildschutzprogramm Feld & Wiese beim Landesjagdverband LJV Rheinland-Pfalz eingeladen. Im Ortstermin am 25. April ließen sich Beigeordneter Uwe Acuntius, Tom Neigenfink von der Verbandsgemeinde, Erhard Bach als Jagdvorsteher, Landwirt Bernhard Bentz, die Jäger Hans Held und Jürgen Frey, Brunno Burckhardt als Pächter der Feldjagd Queichheim, Markus Steimer als Jagdvorsteher von Annweiler und Karl Keilen als Ortsbürgermeister von Christian Lintow darüber informieren, was zur ökologischen Aufwertung von Feld & Wiese in der Bornheimer Feldflur zu tun ist.

Ausgangspunkt ist, dass die Bornheimer Feldflur südlich der Hornbachstraße als Natura 2000–, FFH Flora Fauna Habitat- und Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist. Bei allen in diesem Gebiet stattfindenden Maßnahmen sind daher die sich aus diesem Schutzstatus ergebenden speziellen naturschutzfachlichen Anforderungen ganz besonders zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist dieses Gebiet auf Grund seiner direkten Stadtnähe ein intensiv genutztes Hundeausführgebiet. In Unkenntnis der Rechtslage sind viele Hunde während der Brut- und Setzzeiten nicht angeleint. Sie stöbern nach Beobachtungen  in den Äckern, stören dabei Gelege und Bruten und entwerten damit wertvolle Lebensräume.
Folgende Empfehlungen wurden im Hinblick auf den Lebensraumschutz für Feld & Wiese von Christian Lintow gegeben:

  1. Trockengräben als Band- und Saumstrukturen zur Biotopvernetzung entwickeln

Durch Grundwasserabsenkung sind die früher der Entwässerung der Ackerflächen dienenden Gräben inzwischen trockengefallen. Wasserwirtschaftlich haben sie keine Funktion mehr. Naturschutzfachlich haben sie jedoch enormes Potential, sofern sie zu Band- und Saumstrukturen in Form von Hecken-, Gebüsch- und Gehölzstreifen entwickelt werden. Hierzu ist nur das früher übliche Mulchen der Gräben einzustellen.
Mit der Zeit kommen von Natur aus Hecken, Gebüsch und Gehölz, und zwar ohne dass man etwas pflanzen muss. Man muss nur der Natur ein paar Jahre Zeit geben.  

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Nach Lebensraumberater Christian Lintow vorbildlich: die Trockengräben der Bornheimer Feldflur als Gebüsch-, Hecken-, Schilf- und Gehölzstreifen mit Einzelbäumen

Die Pflege dieser Bandstrukturen erfolgt am besten über die Schafbeweidung. Denn es müssen nur die Richtung Acker bzw. Weg einwachsenden jungen Triebe immer wieder abgefressen werden, was die Schafe mit Begeisterung erledigen. Im Abstand mehrerer Jahre können entsprechend einem Lichtraumprofilschnitt bedarfsweise die Hecken mit einem Auslegerarmmulcher seitlich im Formschnitt eingekürzt werden, sodaß ein Einwachsen der Hecken, Büsche etc. in die Äcker bzw. in die Wege gesichert ausgeschlossen wird. Diese Hecken- und Gebüschstreifen entlang der Wege halten die Hunde ab, auf die Wiesen und Felder zu kommen. Sie sind ideale Brutstandorte und bieten allen möglichen Tieren Deckung über Winter, wenn die Feld abgeerntet und kahl sind.

  1. Landwirtschaftliche Erdwege beweiden statt mulchen

Soweit es keine ausgewiesenen Spazier- und Hundeausführwege sind, werden in der Bornheimer Feldgemark seit Jahren mit Zustimmung der Landwirte die landwirtschaftlichen Erdwege nicht mehr gemulcht, sondern extensiv mit Schafen beweidet.

Feldflur3 web Die Pflege landwirtschaftlicher Erdwege – statt Lebewelt schädigendes Mulchen tier- und insektenschonendes Beweiden

Das heißt: Die Erdwege selbst werden zusammen mit den parallel verlaufenden Trockengräben mit Hecken und Gehölz zu grünen Bandstrukturen mit einer Vielzahl an Wildkräutern. „Nicht gemulcht“ bieten diese den Wildtieren Deckung und Brutraum sowie eine natürliche, vielfältige Ernährung. Sie gleichen das aus, was auf den intensiv genutzten Ackerflächen an Wildkräuter-, aber auch an Insektennahrung vor allem zur Jungenaufzucht fehlt.  Nach Christian Lintow sei hierdurch „die Bornheimer Feldflur für die Wildtiere gelobtes Land“.

  1. Blühstreifen und Blühflächen

Für unsere Landwirte Gerhard Bach und Bernhard Bentz gab es von Christian Lintow ein großes Kompliment für die Vielzahl an Blühstreifen und Blühflächen in der Gemarkung. Dies sind Überlebensräume der Artenvielfalt.

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Blühstreifen mit 30 verschiedenen Blühpflanzenarten

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Blühfläche als Überlebensraum

Hingewiesen wurde von Christian Lintow auf das Förderprogramm des LJV, nach dem hier Saatgut und die Flächenbearbeitung finanziell gefördert wird als ein- bzw. mehrjährige Honigbrache,  als Zwischenfruchtanbau über Winter und als „beetle bank = Käferwall, das sind 3-5 m breite Streifen mit mehrjährigem Altgras, die sich als Brut-, aber auch wegen einer besonders hohen Insektendichte als Nahrungsraum für Rebhuhn und Fasan hervortun.
Insgesamt war der Tag mit dem Lebensraumberater Christian Lintow ein Ansporn, seitens der Gemeinde sowie der Landwirte den Focus in der Gemarkungsgestaltung künftig noch stärker auf den Erhalt der Artenvielfalt zu richten. Trockengräben zu Hecken-, Gebüsch- und Gehölzstreifen zu entwickeln und auf das Mulchen zu verzichten spart Geld. Schafbeweidung der landwirtschaftlichen Erdwege statt Mulchen sichert das Arteninventar ohne Mehrkosten der Wegepflege. Und: Die Förderung von Saatgut und Flächenbearbeitung bei der Anlage von Blühstreifen und Blühflächen, wie es der LJV anbietet, ist wichtig als Anerkennung der Landwirte. Denn diese können den Naturschutz nicht alleine finanzieren. Vielmehr ist die Gemeinschaft hierbei insgesamt gefordert.
Es war die gemeinsame Sicht der Landwirtschaftsvertreter wie der Gemeinde, dass Artenschutz in Bornheim in Zukunft noch mehr und dieser noch zielgerichteter umgesetzt werden muss. Insoweit vielen Dank an den Lebensraumberater Christian Lintow, den LJV und die beim Ortstermin Anwesenden. Der Termin hat sich gelohnt.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

 

 

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