01April

Die Bekämpfung der Stechmücken in Bornheim

Unterschriftenaktion im Steinsteg und Krautgarten
100 Unterschriften hat Florian Becht aus dem Wohngebiet „Am Steinsteg“ und im „Krautgarten“ gesammelt und diese am 29. März an den Ortsbürgermeister übergeben.

Die übergebene Petition Bornheim 03/2019 enthält folgende Forderung:

„Als Bürger Bornheims mussten wir die letzten Jahre vermehrt feststellen, dass es bei sommerlichen Temperaturen fast nicht möglich war, sich im Freien aufzuhalten. Grund hierfür ist ein mittlerweile fast unerträgliches Maß an Stechmücken. Aus Gründen zur Herstellung von gleichwertigen Lebensbedingungen des Wohles der Allgemeinheit und für die betroffenen Menschen ist eine Bekämpfung in den betroffenen Gebieten (insbesondere die Oberflächenentwässerungsbecken zwischen Steinsteg und Krautgarten) unumgänglich. Da die Gemeinde Bornheim auch Mitglied bei der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage) ist, sollte einer fachgerechten Bekämpfung nichts im Wege stehen.
Wir fordern den Einsatz von geeigneten Mitteln, um die Stechmückenplage auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, um die Lebensqualität wieder herzustellen.“

Wie ist der Sachstand?
Die Lebensqualität ihrer Bürger zu gewährleisten ist das zentrale gemeindliche Anliegen. Ein kleiner Baustein hierbei ist der Schutz vor Stechmückenplagen. Von daher ist die Gemeinde seit 2007 Mitglied der KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage).
In Deutschland gibt es 51 Stechmückenarten. Für Bornheim sind es an der Wohnbebauung des Hofgrabens entlang (d.h. Steinsteg und Krautgarten) sogenannte Überschwemmungsmücken (insbesonders Aedes-Arten), im Gesamtort selbst die Hausmücken (insbesonders die Arten Culex und Culiseta).
Überschwemmungsmücken
Die Überschwemmungsmücken werden seit 2007 durch den Beauftragten der KABS für die Verbandsgemeinde Offenbach in Bornheim nach den Vorgaben der KABS auf Grundlage der Genehmigung durch die Kreisverwaltung bekämpft. Da es sich in der Bornheimer Gemarkung ausschließlich um kleinflächige Überschwemmungen (Fläche kleiner als 0,25 Hektar) handelt, erfolgt die Bekämpfung nur, wenn mehr als 50 Aedes/Ochlerotatus Larven/Liter (Schwellenwert kann schwanken) erreicht sind. Begutachtet wird die ganze Länge des Hofgrabens und des Floßbachs einschließlich der Regenrückhaltungen sowie der Vogelschutzweiher. Nur hier gibt es zeitweise stehendes Wasser, nur hier können sich Stechmücken entwickeln.
Nur wenn beim Monitoring der Schnaken die kritische Larvenzahl an Stechmücken in der Schöpfprobe überschritten ist, nur dann wird bekämpft. Vorab sind die Behörden zu informieren. Die Bekämpfungsmaßnahme selbst erfolgt in Bornheim ausschließlich mit Rückenspritze. Hierzu werden die stehenden Wasserstellen mit Bacillus Thuringensis israelensis BTI bespritzt. Die Reduktion der Schnaken (=Stechmücken) liegt nach Angaben der KABS bei ca. 95%. Insoweit ist erfreulicherweise die Forderung der Petition, dass die KABS zur Bekämpfung der Schnaken in Bornheim eingesetzt und durch die Bekämpfung eine starke Reduktion der Population erreicht wird, schon seit dem Jahr 2007 erfüllt.
Nach den langjährigen Bornheimer Monitoringergebnissen musste nach Information des KABS-Vertreters der Vogelschutzweiher nie bekämpft werden, da der dortige Fischbesatz die Stechmückenlarven unter die kritische Schwelle bringe. In 2018, wo sich Bewohner des Steinstegs und des Krautgartens nach der Petition sehr stark belästigt gefühlt haben, sei auf Grund des sehr trockenen Jahres bei den Begängen des Hofgrabens und der Regenrückhaltungen auf Grund sehr geringer Larvenzahlen in den Schöpfproben eine Bekämpfung nicht erforderlich und auch nicht zulässig gewesen. Für 2019 erwarte man für Bornheim wenig Überschwemmungsmücken, da das Jahr bisher wenig Wasser gebracht habe.
Hausmücken
"Hausmücken"entwickeln sich im Bereich menschlicher Siedlungen. Von den Gattungen Culex und Culiseta sind es die Arten Culex pipiens und Culiseta annulata. Alle übrigen Culiseta- bzw. Culex-Arten saugen nicht am Menschenblut, sondern sind ornithophil.
Bei der Wahl ihrer Brutplätze sind Hausmücken wenig wählerisch. Grundsätzlich kommt jede nicht oder nur langsam fließende Wasseransammlung in Frage, bevorzugt werden Kleinstgewässer, wie z.B. Gartenteiche (ohne Fische), Regentonnen, Sickerschächte, Kanalisation, Gullys, verstopfte Dachrinnen, aber auch wassergefüllte Konservendosen und Blumenkästen. Hausmücken sind ausgesprochene Dämmerungs- und Nachttiere und wandern nur wenig.
Nach Einschätzung des KABS-Beauftragten, aber auch von Dr. Carsten Brühl vom Institut für Umweltwissenschaften seien im Steinsteg und im Krautgarten voraussichtlich nicht die Überschwemmungsmücken und damit der Hofgraben mit seinen 2 Regenrückhaltungen, sondern Hausmücken das Problem. Insoweit gelte es, seitens der Bewohner Gartenteiche, Regentonnen etc. ins Auge zu nehmen. Im Bedarfsfall kann jeder Bürger bei der Verbandsgemeinde BTI-Tabletten kostenlos erhalten. Bei Interesse der Petenten steht Dr. Carsten Brühl gerne für einen Vortrag, wie man Stechmücken erfolgreich weghält, zur Verfügung. Für eine diesbezügliche Rückmeldung bin ich dankbar.
Danke an Florian Becht sowie die Unterzeichner der Resolution. Ohne Sie hätte es diese Information, die ich mir auch erst besorgen musste, nicht gegeben. Jetzt wissen wir mehr.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

Posted in Neues aus Bornheim