26Juni

Zukunft Weinbau - Bornheim immer wieder von Wissenschaftlern präferierter Standort der Ökosystemforschung

„Novisys – Weinbau mit Zukunft“ – das ist ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Bernhard Bentz ist hierbei einer von 16 Winzern, die der Universität Landau an acht Standorten Versuchsflächen zur Verfügung stellen. Pro Standort werden dabei ökologisch und konventionell bewirtschaftete Flächen, die jeweils mit pilzwiderstandsfähigen und traditionellen Rebsorten bepflanzt sind, verglichen. In Zusammenarbeit mit der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung Geilweilerhof werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Bewirtschaftung, vor allem des Anbaus pilzwiderstandsfähiger Sorten im Minimalschnitt, auf die Artenvielfalt und die natürliche Schädlingskontrolle in den Weinbergen erfasst.

Nützlinge und Schädlinge - Wer frisst den Weinbergsschädling?

Nützlinge sind Organismen, die durch ihre räuberische oder parasitische Lebensweise "von Nutzen“ für die landwirtschaftliche Produktion, hier für den Winzer sind. Leider werden die Nützlinge immer wieder durch Unkenntnis bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vernichtet. Folge sind die Vermehrung von Schädlingen und ein zusätzlicher Chemieeinsatz, der bei einer guten Nützlingsbewirtschaftung vermeidbar ist und dem Winzer zusätzlich Kosten spart.

Die Untersuchung umfasst drei Arbeitsschwerpunkte:

- Anhand von Blattproben wird das Vorkommen von Raub- und Schadmilben erfasst.

Raubmilben (Typhiodromus pyri) sind die wichtigsten Nützlinge im Weinbau, da sie die Schadmilben, z.B. die Obstbaumspinnmilbe (Rote Spinne) fressen.

- Durch Klopfproben wird die Anzahl der auf den Reben befindlichen Arthropoden (das sind Insekten, Spinnen, Tausendfüßer u.a.) erfasst. Dies gibt Aufschluss über die gesamte Biodiversität. Das Vorkommen spezifischer Nützlinge kann so bewertet werden. 

- Das Ausbringen von mit Eiern belegten Ködern des Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana) ergibt Aufschluss über den natürlichen Prädationsdruck auf diesen Rebschädling. Je mehr Köder gefressen sind, umso mehr Nützlinge gibt es.

- Als Erweiterung dazu werden Köder mit Eiern und Puppen des Bekreuzten Traubenwicklers und Puppen der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) in den Weinbergen gefilmt. Die Auswertung der Filme zeigt, welcher Nützling die Eier und Puppen der Schadinsekten frisst. Dies ermöglicht die qualitative und quantitative Erfassung räuberischer Arthropoden.

Zukunft Weinbau web

Konrad Theiss von der Universität Landau mit Filmkamera und Köderblättern beim Monitoring räuberischer Nützlinge gegen Rebschädlinge im Cabernet blanc Weinberg von Bernhard Bentz an der Dammheimer Straße (links am rot markierten Rebtrieb ein mit Eiern und Puppen von Rebschädlingen beklebtes weißes Papier; daneben auf Stativ eine der eingesetzten Kameras zum Filmen von Nützlingen, wenn sie die Eier und Puppen auf dem weißen Blatt wegfressen)
Die These ist, dass die Reduktion der Pflanzenschutzmittel einen positiven Effekt auf die Biodiversität und die natürliche Schädlingskontrolle hat. Ich bin gespannt, was die Ergebnisse sein werden. Vor allem freue ich mich, dass Bornheim dank innovativer, wissbegieriger Landwirte und Winzer immer wieder Feldlabor für die naturwissenschaftliche Forschung ist.

Weitere Informationen zum Projekt können unter http://www.zukunft-weinbau.de/ nachgelesen werden.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

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