19Juni

Mit weniger Insektengift voller Rapsertrag

Ein guter Landwirt zu sein erfordert unheimlich viel Wissen, und das in vielen verschiedenen Bereichen. Ein Beispiel hierfür ist der Rapsanbau.
Wie man die Natur schont und dennoch hohe Rapserträge erntet, das kann man bei Bernhard Bentz lernen.
Zwar ist Raps überwiegend ein Windbefruchter. Dennoch können Bienen den Befruchtungserfolg durch Bestäubung deutlich steigern, vor allem in Zeiten der Blüte, wo wenig Wind weht. Nachgewiesen von der Universität für Bodenkultur Wien ist ein Mehrertrag von 10 - 15% im Durchschnitt, in windschwachen Zeiten zur Blüte deutlich mehr. 1 Tonne mehr Rapssamen je Hektar ist auch wirtschaftlich wichtig für die Ökonomie.

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Wanderbienen am Rapsfeld von Bernhard Bentz in der Gewann „Waldäcker im Unterwald“ – durch die Bienen bessere Bestäubung, mehr Ertrag

Insoweit ist es als Landwirt klug, mit Wanderimkern zusammenzuarbeiten.
Aber so einfach ist es für den Landwirt nicht! Denn es gibt u.a. noch Rapsstängelrüssler, Kohltriebrüssler und Rapsglanzkäfer, die eine gute Rapsernte bedrohen.
Üblicherweise werden diese mit Insektiziden bekämpft. Diese sind wiederum i.d.R. bienengefährlich. Deshalb sollen diese Mittel erst abends nach dem Bienenflug ausgebracht werden bzw. sollten während der Blüte möglichst durch bienenungefährliche Mittel ersetzt werden. Problem des Bieneneinsatzes in gespritzten Rapsflächen sind häufig Überschreitungen des Rückstandshöchstgehalts an Insektiziden im Honig.
Der verantwortungsvolle Landwirt minimiert daher den Insektizideinsatz, wendet ihn nur an, wenn die Ernte bedroht ist.
Wer in der Gemarkung im Frühjahr unterwegs ist, trifft an Rapsfeldern auf sogenannte „Gelbschalen“, wie sie u.a. Bernhard Bentz einsetzt.

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Heike Bentz mit einer Gelbschale zum Käfermonitoring an einem Rapsfeld

In den Gelbschalen werden Rapsstängelrüssler und Kohltriebrüssler gefangen, alle drei Tage ausgezählt und darüber die Schadschwelle bestimmt. Wenn beim Rapsstängelrüssler weniger als fünf Käfer, beim Kohltriebrüssler weniger als 15 Käfer pro Gelbschale und beim Rapsglanzkäfer in schwachen Beständen weniger als fünf Käfer, bei wüchsigen Beständen weniger als zehn Käfer pro Rapspflanze gezählt werden, dann kann der Landwirt auf den Insektizideinsatz verzichten.
Die Schadschwelle wurde bei den Rapsfeldern von Bernhard Bentz dieses Jahr in allen Rapsfeldern unterschritten. Von daher hat er auf den bienengefährlichen Insektizideinsatz während der Rapsblüte verzichten können, zum Wohl der Bienen, aber auch der Menschen, die von diesen Feldern einen Honig ohne Rückstandsüberschreitungen genießen können.
Warum in der Bornheimer Gemarkung die Schadschwellen tendenziell unterschritten werden, das wurde in der Rheinpfalz am Sonntag vom 3. Juni sehr schön beschrieben. Denn nach Erkenntnissen der Universität Würzburg „muss man nur dafür sorgen, dass am Boden lebende Laufkäfer und Spinnen auf die Rapsfelder kommen. Sie fressen die Käferlarven, wenn diese sich zum Verpuppen auf den Boden fallen lassen. Dazu brauche es lediglich einige wiesenartige Areale, die möglichst nah an den Rapsfeldern liegen.“ Das heißt: An die Rapsfelder angrenzende ungemulchte Feldraine, Blühstreifen und erst nach der Rapsernte beweidete, mit Gras bewachsene landwirtschaftliche Wege sorgen dafür, dass sich doppelt so viele Laufkäfer auf dem Rapsfeld tummeln wie ohne die wiesenartigen Bereiche. Dies zeigt wiederum: Die Schonung von Nützlingen durch Erhalt wiesenartiger Bereiche, sei die Fläche noch so klein, lohnt sich. Denn jegliche sinnvolle Vermeidung von Insektizideinsatz spart dem Landwirt die Spritzkosten, schont die Bienen. Dadurch steigt der Rapsertrag, was dem Landwirt mehr Geld bringt. Der Imker hat den Vorteil, dass er gesunden Honig anbietet, dessen Insektizidgehalt unter den zulässigen Rückstandswerten liegt, vor allem aber seine Bienenvölker stark bleiben und den Winter überleben.
Insoweit ein Dankeschön an Bernhard Bentz und alle Landwirte, die Bienen aktiv zur Bestäubung einsetzen, die durch die Zulassung von wiesenartigen Situationen im Umfeld der Felder, seien sie noch so klein, und durch Anwendung des Schadschwellenprinzips den Einsatz von Insektiziden auf das zwingend Notwendige verringern. Für Bornheim ist dies besonders wichtig insoweit, als die Ackerflächen nördlich der Hornbachstraße Wasserschutzgebiete für die Brunnen am Wasserwerk sind, die Ackerflächen südlich der Hornbachstraße an die Trinkwassergewinnungsbereiche der Stadt Landau angrenzen.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

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