25September

„Märiä Geburt fliegen alle Schwalben furt“ oder „Die letzten ihrer Art?“

Ja, sie flögen „furt“, wenn es denn noch Schwalben zum Wegfliegen gibt.
Früher war der Wegflug der Schwalben – das ist der Zeitraum um den 8. September, um das kirchliche Fest „Mariä Geburt“ – für jeden deutlich wahrnehmbar. Die Schwalben saßen in großer Zahl auf den Freileitungen, zwitscherten und „beredeten den anstehen Flug nach Afrika“, wo sie südlich der Sahara überwintern.
In 2018 konnte Günter Glock aus dem Bachweg, Schwalbenwart beim Vogelschutzverein, nur noch ein einziges Rauchschwalbenbrutpaar in der Garage von Christel Hoffmann in der Hauptstraße und sieben Mehlschwalbenbrutpaare an drei Niststandorten in Bornheim feststellen. Im Jahr 2001 waren es noch 31 Mehlschwalbenbrutpaare, deren Anzahl dann Jahr um Jahr kontinuierlich zurückging.
Das einzige aus Lehm gebaute Naturnest nutzt die Rauchschwalbe. Die in 2018 noch verbliebenen sieben Mehlschwalbenbrutpaare brüteten ausschließlich in vom Vogelschutzverein angebrachten Kunstnestern, und zwar zwei Brutpaare im Bachweg 5, drei Brutpaare in der Straße „Am Hofgraben“ (Anwesen Hurtz) und zwei Brutpaare im Krautgarten (Anwesen Spengler-Schwab). Das heißt: Es fehlen die Lehmpfützen, wo die Schwalben Nestbaumaterial aufnehmen können. Aber es fehlen auch die Insekten als Nahrung, sind doch von 42 Kunstnestern nur noch sieben belegt.
Es sind dramatische Rückgänge. Man merkt heutzutage weder das Ankommen der Schwalben um den 25. März - Mariä Verkündigung – noch den Abflug Anfang September. So wenige sind sie inzwischen geworden.
Insoweit gilt mein Dank Günter Glock, der die Schwalben in Bornheim seit dem Jahr 2004 jährlich systematisch erfasst und damit ihr zunehmendes Fehlen bewusst macht, aber auch danke den Bürgerinnen und Bürgern, die den Glücksbringern – das waren die Schwalben für unsere Vorfahren – noch in Bornheim Lebensraum bieten und erhalten.
Die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur, das „immer weniger Wissen um Naturzusammenhänge“, das muss uns allen zu denken geben. Denn als Menschen sind wir Teil der Natur. Wenn wir sie aus Unwissenheit kaputt machen, trifft es uns am Ende mit.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

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