19Oktober

Wer sitzt da am Bornheimer Ratstisch?

Es war ein Anruf aus Speyer.

Wolfram Ketzler, Intarsienschneider aus Plauen im Vogtland, an dem von ihm mitgestalteten Bornheimer Ratstisch

 

„Kann ich kurz in Bornheim vorbeikommen, um mir den Ratstisch anzuschauen?“ Das war die Frage am Telefon.

Schnell stellte sich heraus: Der Anrufer war Wolfram Ketzel aus Plauen im Vogtland. Er ist derjenige, der die Intarsien für den Bornheimer Ratstisch geschnitten hat. Und mit seinen 74 Jahren wollte er seinen Urlaub in und um Speyer nutzen, sich nochmals an seiner Kunst, die den Bornheimer Ratstisch mit ausmacht, zu erfreuen.
Er hat den Ratstisch in Bornheim lange gesucht. Er hat hierzu viele Leute kontaktiert. Er landete dabei immer in Bornheim bei Frankfurt. Keiner konnte ihm sagen, wo er den Ratstisch findet. Erst nach umfassender Internetrecherche betreffend der vielen Bornheims ist er dann auf das pfälzische Bornheim gestoßen und dann gleich fündig geworden.
Wolfram Ketzel hat sich nach der Wende 1990 in Plauen als Intarsienschneider selbständig gemacht. Seine künstlerischen Arbeiten hat er in ganz Deutschland ausgestellt, unter anderem in Koblenz. Hier traf er den Holzgestalter Hook aus Altrip, für den er anschließend immer wieder (Intarsien)Bilder geschnitten hat.
Als die Firma Hook aus Altrip von der Gemeinde Bornheim den Auftrag bekam, den Ratstisch und die Ratsstühle zu designen und zu produzieren, wurde Wolfram Ketzel von der Firma Hook mit dem Schneiden und Einlegen der Intarsien beauftragt.
Intarsien sind Einlegearbeiten aus Holz, bei der auf einer planen Oberfläche verschiedene Hölzer so in- oder aneinander gelegt werden, dass wieder eine ebene Fläche entsteht, die verschiedenfarbige und unterschiedlich strukturierte Einschlüsse enthält. So sind die Wappen und die vielfältigen Bilder auf dem Ratstisch entstanden.
Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) schreibt im 16. Buch seiner berühmten Naturgeschichte, dass mit dem „Belegen der Hölzer“ die Zeit des Luxus begann. Der Ratstisch mit seinen wertvollen Intarsien ist daher als Kunstwerk nicht nur zeitlos, er ist auch ein Hinweis, dass es Bornheim damals wie heute und hoffentlich auch in Zukunft gut geht.
Mit einem Präsent, je einer Flasche Vincent Secco vom Weingut Acuntius, einem Brosecco vom Weingut Brauch-Brosam, einem Dunkelfelder vom Weingut Cuntz und einem Sauvignon blanc vom Weinhaus Müller, verabschiedete ich Wolfram Ketzel und seinen Kollegen Udo Ziederer, Restaurator für antike Möbel, der ihn begleitete. Für Wolfram Ketzel war es eine sichtliche Freude, „seinen“ Bornheimer Ratstisch nach „Jahrzehnten“ wiederzusehen. Wir Bornheimer sind stolz, so einen zeitlosen, wertvollen Ratstisch zu haben.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

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