13September

Die verborgene Schönheit der Blühstreifen und Ehda-Flächen

„Schönheit vergeht“, das ist eine Lebensweisheit. So wie beim Menschen die jugendliche Schönheit in die verborgene Schönheit des Alters übergeht, so ist es auch in der Natur. Besonders deutlich wird dies an den Blühstreifen unserer Landwirte sowie an den Ehda-Flächen. Zuerst erfreuen uns die Blüten mit ihrer vielfältigen Farbenpracht. Dann reifen die Samen, aus den bunt blühenden Flächen werden optisch braune, für manches Auge unschöne Flächen. Man weiß und sieht nicht, dass wie beim Menschen auch die Altersphase in der Natur ihren eigenständigen Stellenwert und ihre verborgene Schönheit hat.
Am Spruch „Schönheit vergeht, Tugend besteht“ kann man dies am besten erkennen. Nach dem Wikiwörterbuch sagt dieser Spruch: „
Gutes Aussehen ist nicht so wichtig wie innere Werte, die Bestand haben, während es mit jugendlicher Schönheit schnell vorbei ist.“ Was ist denn der Wert einer abgeblühten Wildpflanze, wenn sie denn als häßlich angesehen wird?
An sich ist es bei näherem Nachdenken ganz einfach: Wenn es auch auf den nicht bewirtschafteten Flächen keine Samen gibt, weil vorzeitig abgemulcht wird, gibt es die Samenpflanze in der Folgegeneration nicht mehr. Es kommt zur Artenverarmung. Wenn die Samenbildung nicht zugelassen wird, fehlt u.a. den samenfressenden Vögeln die Nahrung. Wo bliebe der Distelfink, wenn nicht auch Disteln aussamen dürfen. Wenn die Brennessel auch in der Natur gleich umgesenst wird, kann sich auf ihr keine Raupe zum Schmetterling entwickeln. U.a. Admiral, Tagpfauenauge, Landkärtchen würden uns verloren gehen. Was machen stengelbrütende Wildbienen wie z.B. Osmia tridentata oder Ceratina cucurbitina, wenn auch auf den nicht bewirtschafteten Grünflächen keine trockenen, toten Pflanzenstengel verbleiben? Wo können Hummeln ihre Nestkugel bauen, wenn sie kein verfilztes Graspolster z.B. an Ackerrändern finden, weil es weggemulcht wird? Wo findet der Igel für seine Jungen Unterschlupf, wenn es keine Reisig- und Laubhaufen und andere Verstecke auf den nicht bewirtschafteten Flächen gibt? Man sieht: Es sind die Werte, die Flächen für die Natur haben. Es ist die „innere Schönheit“, die viel mehr ist als die Schönheit der Flächen in der Blühphase.
Um uns in Bornheim die „innere Schönheit der landwirtschaftlichen Blühstreifen und Ehda-Flächen“ zu vermitteln, dazu hat Margot Killer aus Landau auf der ökologischen Ausgleichsfläche am Neuberg zahlreiche verschiedene Pflanzenarten gesammelt.

 

Margot Killer aus Landau beim Sammeln von Wildpflanzen auf der Ehda-Fläche am Neuberg

Diese am Neuberg gesammelten Pflanzen werden von ihr gepresst, getrocknet und in Grußkarten, Bildern und Kerzen verarbeitet. Anlässlich der Bornheimer Kunsthandwerkerausstellung am 25./26. November im Rathaus wird sie am Beispiel dieser Grußkarten, Bilder und Kerzen uns die Vielfalt und die verborgene Schönheit der Wildpflanzen auf den Bornheimer Blühstreifen- und Ehda-Flächen präsentieren. Zusätzlich kann man sie bei ihrer handwerklichen Arbeit beobachten und so sehen, mit wieviel Liebe und Feinarbeit sie ihre Kunst ausübt.

 

Margot Killer (rechts) im Dorfgemeinschaftshaus mit ihrer Präsentation von handgefertigten Grußkarten, Bildern und Kerzen mit integrierten Wildpflanzen, die die Vielfalt und Schönheit der Natur vermitteln; links: Brigitte von Heißen

Ich würde mich freuen, wenn anlässlich der Hobby- und Kunstausstellung möglichst viele Bornheimer bei Margot Killer vorbeischauen würden. Sie werden beeindruckt sein.

Karl Keilen, Ortsbürgermeister

Posted in Neues aus Bornheim